08 Juli 2014

1 Jahr! Der Ozean ist der Schlüssel nach Hause

Hallo Ihr Lieben.

Ich öffnete meine Augen. Ich war schon lange bevor mein Wecker klingelte wach.  Ich drehte mich zur Seite, meine ganzen Klamotten lagen quer in meinem Zimmer verteilt. War ja wieder klar, dass ich nicht rechtzeitig fertig werde, obwohl ich schon vor Wochen angefangen hatte zu packen. Ich schaute ein letztes Mal auf meine Packliste, hinter welcher sich schon eine regelrechte Häkchenfamilie gebildet hatte, nachdem ich gefühlte 300 mal meinen Koffer durchgescheckt hatte, um auch wirklich sicher zu sein, ja nichts vergessen zu haben.

Ich schloss den Kofferraum. Schaute ein letzes mal zurück, zu dem Ort, den ich solange schon mein Zuhause nenne.Wie wird es wohl sein? Was wird sich verändern? War es wirklich die richtige Idee, alles hier aufzugeben, um in Land zugehen, welches ich noch nie vorher besucht habe? Wird alles so wie ich mir das vorgestellt habe? Und inwieweit wird mich meine Zeit in Australien prägen? Wie werde ich das alles hier in 5 Monaten sehen? 1000de von Fragen gingen mir durch den Kopf, während wir uns immer mehr von meinem Zuhause entfernten und uns auf den Weg Richtung Frankfurt machten.

Es tümmelten sich immer mehr aufgeregte Menschen an unserem Treffpunkt am Flughafen. So viele Gesichter, die einem bekannt vor kamen, Menschen, die man schon seine Freunde nannte, aber auch so viele fremde Gesichter, mit denen man sich dennoch so verbunden fühlte. Denn wir hatten alle den selben Traum - den Traum von Australien.

Ich schaute in die Augen meiner Familie, die so mit Tränen gefüllt waren. Eine letzte Umarmung, eine letztes Lachen, das letzte mal dieses mülmige Gefühl im Gesicht meiner Eltern zu sehen, welche dennoch wussten, dass es Zeit war, mir Flügel zu geben.
Ich ging durch die Sicherheitskontrolle, schaute ein letzes Mal zurück, und winkte meiner Familie, bevor ich endgültig die Sicherheitskontrolle passierte.
Und dann war es endlich soweit. Die Stewardess erklärte uns zum letzten mal die Sicherheitshinweise und dann hoben wir ab.

Ich klappte die erste Seite meines Abschiedsbuches auf und mir schossen sofort die Tränen in die Augen. Diese Verunsicherung doch nicht das richtige zu tun, und ob es dieser ganzen Aufruhr wirklich wert ist, in das Unbekannte zu starten, dahin wo man sich von 0 alles neu aufbauen muss. Ein Neuanfang.
Nach einem endlos langen Flug, konnten wir die ersten Sonnenstrahlen auf Sydney herabscheinen sehen.
Unser Flugzeug setzte zur Landung an. Einige Sekunden später landeten wir etwas hollbrig das erste mal auf australischem Boden.
Wir haben es wirklich geschafft! Wir sind da! Australien! <3

Die Schulklingel läutete pünktlich um fünf vor drei. Ich verabschiedete mich von meinen Freunden und machte mich auf den Heimweg. Einige Monate bin ich jetzt schon hier. Ich bin endlich angekommen. Soviel habe ich erlebt. Ich habe mich so sehr verändert. Ich habe die schönsten, aber auch die schwersten Tage meines Lebens erfahren. Ich habe meine Gastfamilie gewechselt, habe an Abbrechen gedacht, wollte nur noch nach Hause und dennoch könnte ich jetzt nicht glücklicher sein. Ich habe eine wundervolle Gastfamilie bekommen, habe mir ein zweites Leben aufgebaut und fühle mich endlich zuhause. Ich kann mir gar nicht mehr vorstellen, wie ich mein Leben betrachtet habe, bevor das alles passiert ist. Bevor ich diese Erfahrung ergriffen habe, ohne die ich mir mein Leben jetzt gar nicht mehr vorstellen könnte.



"Can you pass me the bacon, please?! erschallte es aus der Richtung meiner Gastmutter. Meine Gastschwester stellte ihn natürlich noch weiter weg, als er ohnehin schon war. So wie jeden Tag. Nach einem leichten Tritt gegen das Schienbein und einem ernsten Blick meiner Gastmutter reichte sie ihr letztendlich den Bacon. Wir redeten, lachten zusammen und machten einfach alles, was einfach typisch für unseren total chaotischen Alltag war. Wenn ich in die Augen meiner Gastfamilie sah, wurde mir sofort klar, wie viel Glück ich mit meiner Familie hatte, die Menschen, die auch schon lange ein Stück, in meiner richtigen Familie eingenommen haben. Ich könnte nicht glücklicher sein, alles schien perfekt - mein Leben, meine Familie, meine Freunde, einfach alles. Ich sah das Lachen meiner Gastschwester, doch plötzlich wurde alles verschwommen.

Der Wecker reißt mich aus meinen Träumen. Ich schaue auf meine Uhr. 6.00 Uhr. War alles nur ein Traum? Ich entriegele den Bildschirmschoner meines Handys und meine Gastfamilie lächelt mich auf meinem Bildschirmhintergrund an. Nein das war kein Traum. Das ist alles wirklich passiert. Sofort schießen mir all diese wunderschönen Erinnerungen in den Kopf. Es ist der 8.Juli. Es ist jetzt genau 1 Jahr her. Der Tag an dem ich in mein Abenteuer Australien gestartet bin. Das Abenteuer, welches ich jetzt ein Teil meines Lebens nennen darf. Mein deutscher Alltag hat mich mittlerweile wieder eingeholt. Aber Australien ist immer noch so präsent wie zuvor.

Dreams feel real while we're in them. It's only when we wake up that we realize something was actually strange.

Ich mag mein deutsches Leben, aber es ist anderes. Es fehlt etwas. Es fehlt etwas, was sich am anderen Ende der Welt befindet. Der zweite Teil meines Herzens, welchen ich für immer in Australien zurück gelassen habe, bei meiner Familie, bei meinen Freunden und bei meinem Leben Down Under.
Ich kann immer noch nicht glauben, dass alles wirklich schon 1 Jahr her ist. Aber ich bin so froh, dass alles noch so präsent und realistisch ist und das mein Entschluss feststeht bald wieder nach Hause zurück zu kehren, denn...

Australien ist der erste Gedanke nachdem ich aufwache, und der letzte bevor ich einschlafe!


Es ist und bleibt die beste Entscheidung meines Lebens. Ich habe Erfahrungen gesammelt, die mir keiner mehr nehmen kann und die ich ohne Australien nie gesammelt hätte!

Und ich bereue nichts
Nicht einen Schritt, nicht einen Augenblick davon
Auch wenn es verloren ist
Es war doch nichts umsonst
Nichts umsonst!

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